Was ist die intermittierende pneumatische Kompression?
Die intermittierende pneumatische Kompression (IPK) — synonym apparative intermittierende Kompression (AIK) — ist ein mechanisches Verfahren der Thromboseprophylaxe. Ein Gerät befüllt Kompressionsmanschetten am Bein in festen Zyklen mit Luftdruck und entlastet sie wieder. Diese zyklische Kompression unterstützt den venösen Rückstrom aus den Beinen zum Herzen und wirkt einer Stase des Blutes in den tiefen Venen entgegen, einem der zentralen Risikofaktoren für eine venöse Thromboembolie (VTE).
Das Wirkprinzip im Detail
Bei der IPK werden Kompressionsmanschetten am Bein in festen Zyklen mit Luftdruck befüllt und wieder entlastet, typischerweise etwa einmal pro Minute. Dieser Mechanismus ahmt die natürliche Wadenmuskelpumpe nach, die bei immobilisierten oder bettlägerigen Patienten ausfällt. Drei Effekte greifen ineinander:
- Beschleunigung des venösen Rückstroms: Der zyklische Druck presst das Blut aus den tiefen Venen Richtung Herz und reduziert die Stase.
- Reduktion der Blutstase: Weniger stehendes Blut bedeutet ein geringeres Risiko der Gerinnselbildung in den Beinvenen.
- Förderung der Fibrinolyse: Die mechanische Stimulation wird mit einer Steigerung der körpereigenen fibrinolytischen (gerinnselauflösenden) Aktivität in Verbindung gebracht.
Anders als die medikamentöse Prophylaxe greift die IPK nicht in die Blutgerinnung ein. Das macht sie zu einer wichtigen Option, wenn Medikamente nicht in Frage kommen, und zu einer sinnvollen Ergänzung im Hochrisiko-Setting.
IPK, AIK, pneumatische Kompression: die Begriffe
Für dasselbe Verfahren existieren mehrere gebräuchliche Bezeichnungen. Das sorgt im Klinikalltag und in Leitlinien gelegentlich für Verwirrung:
- IPK: intermittierende pneumatische Kompression (international: IPC, „intermittent pneumatic compression").
- AIK: apparative intermittierende Kompression. Begriff der deutschen S1-Leitlinie (AWMF 037-007).
- Pneumatische Kompression / apparative Kompressionstherapie: geläufige Kurzformen.
Gemeint ist jeweils dasselbe: eine gerätegestützte, zyklische Kompression der Extremität. Abzugrenzen ist die IPK/AIK vom medizinischen Thromboseprophylaxestrumpf, der einen statischen Dauerdruck ausübt.
Sequenziell oder intermittierend?
Kompressionsmanschetten gibt es in zwei Funktionsweisen, die je nach ärztlicher Anordnung eingesetzt werden:
| Merkmal | Sequenziell | Intermittierend (einkammerig) |
|---|---|---|
| Kammern | mehrere (z. B. 4) | eine |
| Füllung | nacheinander, distal → proximal | gleichmäßig |
| Druckverlauf | abgestufter Gradient (z. B. 45, 42, 39, 36 mmHg) | einheitlicher Druck |
| Effekt | gerichtetes „Auswringen" des Blutes zum Körper | rhythmische Kompression |
Die Phlebo Press® DVT 603 erkennt den angeschlossenen Manschettentyp automatisch und wählt Druck und Ablauf entsprechend.
Anwendungsbereiche
Die IPK wird im Krankenhaus als mechanische Maßnahme der Thromboseprophylaxe eingesetzt, als alleinige Maßnahme bei Kontraindikation gegen Medikamente oder ergänzend im Hochrisiko-Setting. Die Indikationsstellung trifft das behandelnde Fachpersonal. Typische Einsatzbereiche und fachspezifische Einordnungen:
- Orthopädie & Endoprothetik: Hochrisiko-Eingriffe wie Hüft- und Knie-TEP
- Intensivstation: immobilisierte und beatmete Patienten
- Gynäkologie & Geburtshilfe: operative Eingriffe, Sectio, onkologische Operationen
- Gefäßchirurgie: bei besonderem Blutungsrisiko
Abgrenzung & Kontraindikationen
Die IPK ist nicht in jeder Situation geeignet. Anerkannte Kontraindikationen sind u. a. die bekannte oder vermutete akute tiefe Beinvenenthrombose, schwere Herzinsuffizienz und die fortgeschrittene periphere arterielle Verschlusskrankheit. Details auf der Seite zu den IPK-Kontraindikationen. Wie sich die IPK zur medikamentösen Prophylaxe verhält, lesen Sie unter mechanische vs. medikamentöse Thromboseprophylaxe.
Einordnung & Evidenz
Die mechanische Thromboseprophylaxe mittels IPK ist in der S3-Leitlinie VTE-Prophylaxe (AWMF 003-001) verankert; eine eigene S1-Leitlinie (AWMF 037-007) behandelt die apparative intermittierende Kompression im Detail. Systematische Reviews zeigen eine signifikante Senkung des VTE-Risikos durch IPK gegenüber keiner Prophylaxe. Einen Überblick zur Studienlage geben wir im Bereich Studien & Evidenz.
IPK-Geräte bei UniCare
UniCare liefert die IPK-Systeme der Phlebo Press®-Technologie mit deutschem Service: die mobile Phlebo Press® DVT 650 Easy für den Standardeinsatz am Bein und die Phlebo Press® DVT 603 als All-in-one-System für Bein- und Fußindikationen. Beide CE-konform nach MDR, mit Geräteeinweisung nach §83 MPBetreibV und garantierter Lieferfähigkeit aus dem Lager in Hessen.
Häufige Fragen
Was ist die intermittierende pneumatische Kompression (IPK)?
Die IPK ist ein mechanisches Verfahren der Thromboseprophylaxe. Aufblasbare Kompressionsmanschetten an Unter- und/oder Oberschenkel werden vom Gerät zyklisch mit Druck beaufschlagt und wieder entlastet. Dadurch wird der venöse Rückstrom gefördert und die Blutströmung in den tiefen Beinvenen unterstützt. Synonym wird das Verfahren als apparative intermittierende Kompression (AIK) bezeichnet.
Was bedeutet die Abkürzung IPK bzw. AIK?
IPK steht für „intermittierende pneumatische Kompression", AIK für „apparative intermittierende Kompression". Beide Begriffe bezeichnen dasselbe Verfahren: eine gerätegestützte, zyklische Kompression der Extremität zur Förderung des venösen Rückstroms. Die deutsche S1-Leitlinie (AWMF 037-007) verwendet den Begriff AIK.
Wie unterscheidet sich die IPK von medikamentöser Prophylaxe?
Die IPK wirkt rein mechanisch, ohne Einfluss auf die Blutgerinnung. Sie ist daher besonders dann eine Option, wenn eine medikamentöse Prophylaxe kontraindiziert ist, oder ergänzend im Hochrisiko-Setting.
Was ist der Unterschied zwischen sequenziellen und intermittierenden Manschetten?
Sequenzielle Manschetten enthalten mehrere Luftkammern, die sich nacheinander von distal nach proximal in einem abgestuften Druckgradienten füllen und das Blut gerichtet zum Körper schieben. Intermittierende Manschetten haben eine Kammer, die sich gleichmäßig füllt und entlastet. Beide Varianten werden je nach ärztlicher Anordnung eingesetzt.
Wann ist die IPK kontraindiziert?
Unter anderem bei bekannter oder vermuteter akuter tiefer Beinvenenthrombose, bei schwerer Herzinsuffizienz und bei fortgeschrittener peripherer arterieller Verschlusskrankheit. Die Indikations- und Kontraindikationsprüfung trifft das behandelnde Fachpersonal. Eine kompakte Übersicht finden Sie auf unserer Seite zu den IPK-Kontraindikationen.
Welches Gerät setzt UniCare ein?
Die Phlebo Press® DVT 650 Easy und die Phlebo Press® DVT 603: mobile IPK-Kompressionsgeräte mit automatischer Druckregelung, leisem Betrieb und CE-Konformität nach MDR. Die 603 erkennt zusätzlich Bein- und Fußmanschetten automatisch und arbeitet mit zwei Druckbereichen (45/130 mmHg).